Über die Audiodeskription

Hörfilme ermöglichen ein inklusives Filmerlebnis. Auf einer zusätzlichen Tonspur werden Handlung und Orte des Geschehens sowie Gestik und Mimik der Protagonisten geschildert. Auf diese Weise können blinde und sehbehinderte Zuschauer der Handlung problemlos folgen und den Film gemeinsam mit Angehörigen und Freunden genießen.

In der folgenden Sendung "Volle Kanne" des ZDF sehen Sie, wie eine Audiodeskription produziert wird.

Die Erstellung einer Audiodeskription ist eine Teamarbeit von sehenden und nicht sehenden oder hochgradig sehbehinderten Menschen. Die Bildbeschreibungen werden zunächst von speziell ausgebildeten Autoren erstellt. Dabei ist die Mitwirkung einer blinden oder sehbehinderten Person von größter Bedeutung, da sie die Notwendigkeit zusätzlicher Erklärungen besser beurteilen können. Die knapp, prägnant und ausdrucksstark formulierten Bildbeschreibungen werden sodann im Tonstudio von einem professionellen Sprecher eingesprochen und mit dem Originalton abgemischt. Wichtig ist vor allem die Beschreibung jener Inhalte, die für das Verständnis der Handlung oder auch für den Charakter des Films essentiell sind.

Audiodeskriptionen werden für Spielfilme, Serien, Dokumentationen, Quiz- und Wissenssendungen und Sportveranstaltungen produziert. Sie ermöglichen außerdem in einigen Theatern, Opern, Museen und in Sportstadien den barrierefreien Zugang für blinde und sehbehinderte Menschen. Audiodeskriptionen werden in der Regel mit den Buchstaben „AD“ oder einem durchgestrichenen Auge gekennzeichnet.

Geschichte der Audiodeskription

Die Idee der Audiodeskription entwickelte der US-Amerikaner Gregory Frazier bereits in den 1970er Jahren an der Francisco State University of Creative Arts. 1989 stellte er diese Methode auf den Filmfestspielen in Cannes vor. Seitdem verbreitete sich die Audiodeskription in kleinen Schritten in Deutschland und Europa. 1993 strahlte das ZDF den ersten Hörfilm im deutschen Fernsehen aus. 1997 führten der Bayerische Rundfunk (BR) und ARTE als erste Sender eine regelmäßige Produktion von Hörfilmen ein. Ein Jahr später startete der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) das Projekt „Hörfilm“, aus dem 2001 die Deutsche Hörfilm gGmbH (DHG) hervorging. Das Projekt etablierte den Hörfilm in der deutschen Medienlandschaft und trieb seine Ausbreitung voran. Seit 2002 zeichnet der DBSV alljährlich die besten Produktionen mit Audiodeskription mit dem Deutschen Hörfilmpreis aus.

In den folgenden Jahren stiegen weitere regionale Sendeanstalten in die Produktion und Ausstrahlung von Hörfilmen ein. Aktuell senden ausschließlich die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender eine AD. Dazu gehören momentan ARD, ZDF, ARTE, 3sat, NDR, MDR, RBB, HR, SWR, WDR, BR, EinsFestival, EinsPlus, ZDFneo, ZDFinfo, KIKA sowie ORF 1 und ORF 2 in Österreich und SRF in der Schweiz.

Im Jahr 2014 wurden in der ARD 38 Prozent des Hauptabendprogramms mit einer Audiodeskription ausgestrahlt. Im ZDF laufen alle Vorabendserien mit einer Audiodeskription. Inzwischen werden auch Sportübertragungen und Quiz- und Unterhaltungssendungen mit einer Live-AD ausgestrahlt.

Die Novellierung des Filmfördergesetzes 2014 sieht die Verpflichtung zur Herstellung einer barrierefreien Fassung aller von der Filmförderungsanstalt (FFA) und dem Deutschen Filmförderfonds (DFFF) geförderten Filme vor. Damit ist die Zahl der Filme, die bereits zum Kinostart über eine Audiodeskription verfügen, stark angestiegen. Es besteht allerdings bisher keine Verpflichtung, diese Filme auch in den Kinos zugänglich zu machen, sodass viele der Hörfilme nicht im Kino erlebbar sind.

Die weitere Entwicklung des Hörfilmangebotes

Der Hörfilm steht noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung. Trotz der Zunahme des barrierefreien Kino- und TV-Angebotes ist der Audiodeskriptionsanteil am gesamten Programm noch immer verhältnismäßig klein. Es wird mehr Programm mit Audiodeskription benötigt, um den Bedürfnissen des blinden und sehbehinderten Publikums Rechnung zu tragen, das seit 2013 auch Rundfunk- und Fernsehbeiträge zahlt und sich eine kontinuierliche Ausweitung des barrierefreien Programms wünscht.

Der DBSV setzt sich daher weiter für die Ausweitung des Hörfilmangebotes ein.

Es ist erforderlich, dass die öffentlich-rechtlichen Sender ihr Engagement für das barrierefreie Angebot fortsetzen und dass die privaten Fernsehsender endlich in die Produktion von Audiodeskription einsteigen.

Filme, die zum Kinostart über eine Audiodeskription verfügen, müssen auch im Kino als Hörfilm zu erleben sein. Darüber hinaus sollte der barrierefreie Zugang zu internationalen Produktionen und zum vorhandenen Filmbestand für blinde und sehbehinderte Menschen selbstverständlich werden.

Der Zugang zu einer bereits existierenden Audiodeskription muss bei der weiteren Verwertung des Films auf DVD/Blu-ray, VoD und TV ebenfalls gewährleistet sein.

Menschen mit einer Seheinschränkung fehlt oftmals der barrierefreie Zugang zu Informationen darüber, welche Filme wo mit einer Audiodeskription ausgestrahlt werden und wie das TV-Gerät auf den AD-Empfang eingestellt wird. Hörfilm.info unterstützt hier mit den Informationen auf dieser Webseite.