Theater

Faust 1

Termin: Samstag 02.02.2019, 19:30 Uhr
Veranstaltungsort: Schauspiel Leipzig - Große Bühne
Regie: Enrico Lübbe

Inhalt

Johann Wolfgang Goethe

Am Ende seines Lebens blickte Goethe auf über fünfzig Jahre der Beschäftigung mit dem Faust-Stoff zurück: Von den 1770er Jahren bis kurz vor seinem Tod 1832 arbeitete er an dem Stoff, dem er in seiner Jugend als Puppenspiel erstmals begegnete und der dann sein schriftstellerisches Leben dominierte.  Zwei Dramen schuf Goethe aus dem Stoff: den Faust I, erschienen 1806, und den Faust II, kurz vor dem Tod beendet, aber erst für die Nachwelt veröffentlicht.

Das Schauspiel Leipzig wird sich, in Weiterführung der inszenatorischen Doppelbefragungen der vergangenen Spielzeiten, den beiden Teilen des „Faust“ verschieden nähern — und sie unterschiedlich präsentieren: „Faust I“ wird als Inszenierung auf der Großen Bühne stattfinden und zudem die Leipziger Arbeit mit Chören fortsetzen. Für den II. Teil verlassen wir das Schauspielhaus und die klassische Theatersituation — und splitten den Theaterabend auf in drei parallele Themen-Touren hinein in die Stadt Leipzig, angeleitet vom Interesse, welche Themen aus dem „Faust II“ uns nach wie vor beschäftigen und welche Verbindungen sich aus dem Stoff ins Heute ziehen lassen.
Die Touren starten am Schauspielhaus und finden parallel statt; pro Aufführung kann nur an je einer Tour teilgenommen werden. Den Schluss des „Faust II“ erleben dann alle drei Touren wieder gemeinsam im Schauspielhaus.

Bereits den „Faust I“ prägten jahrzehntelange Arbeitsphasen, von den frühen Entwürfen aus der Zeit des Sturm und Drang bis hin zur Druckversion des Dramas 1808. Aber eine Szene gibt es, die die Jahrzehnte unverändert überstand. Goethe übernahm sie so in den „Faust I“, wie sie schon im sogenannten Urfaust 1776/77 überliefert ist — es ist die Szene „Am Brunnen“.

Darin trifft Margarethe auf Lieschen, die von Aufmerksamkeit und Liebe träumt und sich nach Ausbruch sehnt. Gleichzeitig jedoch brandmarkt Lieschen das eine Mädchen, Bärbelchen, das diese Sehnsüchte gelebt hat und ein voreheliches Verhältnis eingegangen ist, und droht ihr dafür die soziale Ächtung durch die Gemeinschaft mit aller Härte an. Margarethe steht mit ihrem Mitgefühl allein – und ahnt, was sie selbst erleben wird... Eine Schlüsselszene, die den Blick der Leipziger Neuinszenierung auf den Text leiten wird: das spannungsgeladene Verhältnis von gesellschaftlicher Norm und individueller Entfaltung.

Ein solches Spannungsverhältnis prägt auch die Titelfigur. In Faust steht sich eine Doppel-Struktur widerstrebender, ja, widersprechender Impulse gegenüber: Akzeptiertes und Verbotenes, Unterdrücktes und sozial Erwünschtes, Norm und Individuum findet sich hier in einer Figur zusammengespannt. Zwei Seelen wohnen, ach, in seiner Brust. Mindestens zwei.

Und während die eine im deutlich begrenzten Horizont der Gesellschaft und ihrer Erwartungen zu leben versucht, ist die andere auf die größtmögliche Fülle des Lebens aus, in radikal-egozentrischem Erlebenswillen. Mit ungeheurer Sprengkraft entzündet sich diese zweite Seele am eigenen und äußeren Druck: Eine zweite Existenz bricht sich Bahn, die eines um jeden Preis vermeiden will — das Innehalten. So lange, bis die aufgelaufene Summe der verdrängten Folgen Faust schlussendlich einholt und als Sorge, Mangel, Not und Schuld am Lebensende gegenübersteht.

Das Theater bietet 1,5 Stunden vor Beginn für blinde und sehbehinderte Besucher eine Führung mit Begehung der Bühne, Einführung in das Stück und Tastproben der Kostüme an.

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Website zum Stück

Adresse und Anfahrt

Schauspielhaus
Bosenstraße 1
04109 Leipzig

Anfahrtsbeschreibung:

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